Einleitung
Schon länger wird über die Rechtsverschiebung oder den Rechtsruck in der Gesellschaft diskutiert und nach der Europawahl noch intensiver. Auch wird darüber spekuliert, warum immer mehr Menschen rechts wählen. Mir ist die Tage ein Gedanke gekommen, woran das liegen könnte und das kann auch auf eine ganz kurze Formel heruntergebrochen werden.
Die Menschen wählen nicht rechts, weil sie der Meinung sind, dass Rassismus, Nationalismus, Faschismus, Unterdrückung, Folter und Beschränkung der Freiheit eine höhere Lebensqualität hätten. Sie wählen rechts, weil die Zerstörung der festgefahrenen Situation, die ihnen ausweglos erscheint, mit diesen Krawallmachern, Gewalttätern und absolut unfähigen Chaoten am wahrscheinlichsten ist. Die Hoffnungslosigkeit ist so gross, dass sie die Lösung nur noch in der Zerstörung des Status Quo glauben.
Warum meine ich das.
Schaut man sich die letzten paar Jahrzehnte an, so gibt es grosse Themen, die für die Allgemeinheit und grosse Teile der Bevölkerung immer schlechter geworden sind. Schere zwischen Arm und Reich, prekäre Verhältnisse bei immer mehr Menschen, immer mehr Superreiche, immer kaputteres Gesundheitssystem, ebenso das kaputte Steuersystem, ein Staat, der immer handlungsunfähiger wird, ebenso die Exekutive wie Polizei, Wohnungsnot, Kosten und Preise steigen, während die Löhne und Gehälter seit knapp 30 Jahren stagnieren oder rückläufig sind, die fehlende gesellschaftliche Integration des Ostens und Westens nach der Wiedervereinigung, die mehr wie eine Übernahme abgefertigt wurde, die grosse Bildungsmisere und die kaputten Schulen, Universitäten, Digitalisierung und so weiter und so fort. Da gibt es bestimmt noch eine sehr lange Liste, die abzuarbeiten wäre.
Nun sind die Menschen durch die Politik der letzten Jahrzehnte so mürbe gefahren worden, dass sie immer hoffnungsloser geworden sind. 16 Jahre Kohl. Ein Intermezzo der grossen Koalition mit Merkel, 16 Jahre. Und nun diese Regierung, die wir jetzt haben. Schweigend und nicht führen wollend, blockierend, unfähig und denunzierend, sich nicht wehrend und zu passiv. Das Endprodukt. Die Endstation.
Wahlen
Menschen haben versucht, durch ihre Wahl eine absolut notwendige Änderung herbeizuführen. Aber jede Garde, die die Regierung an sich gerissen hat, war schlimmer, passiver und zeigte immer mehr Scheu, eine Vision zu haben, sie umzusetzen und in die Zukunft zu investieren.
Bei jeder Wahl haben sehr viele Menschen die Hoffnung verloren, dass irgendwer von den Etablierten tatsächlich noch etwas ändern würde. Selbst bei den Grünen siegte der Konformismus gegenüber ihren Koalitionspartnern, statt wie früher auch mal die Fetzen fliegen zu lassen. Sie hätten jetzt noch die Chance, sich aus ihrer diplomatischen Passivität zu lösen.
Übertrieben gesagt. Nachdem immer mehr Menschen immer mehr die Hoffnung verloren haben, stellt sich die Frage, oder mehr oder minder stellten sich die Menschen vermutlich auch unbewusst die Frage, wie kriegt man eine Veränderung hin. In einem System, das nicht mit sich reden lässt beziehungsweise sich so toxisch gegenüber seinen Bürgerinnen und Bürgern verhält. Die extrem wenig dafür tut, dass es der Allgemeinheit immer schlechter geht. In einer Zeit, in der die Umweltzerstörung massive Ausmasse annimmt und ein geisteskranker Russe seinen Wahnvorstellungen eine Armee hinterher schickt.
Gefühle
Also die Menschen leben in einem System mit einem Gefühl, das ihnen über eine sehr lange Zeit immer wieder bestätigt wurde, dass sie weder durch Wahl, durch Diskussion, durch Fakten, durch wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen oder einen anderen Diskurs ändern konnten. Was bleibt da noch übrig. Die gewalttätige Zerstörung mit dem Risiko, selbst zerstört zu werden.
Da viele Menschen viel zu zivilisiert sind, selbst zu zerstören, wählen sie andere aus, von denen sie ausgehen, dass diese mit einer grossen Wahrscheinlichkeit den Status Quo zerstören werden. Daher werden rechtsradikale Parteien oder die Vorsitzenden von CDU oder CSU gewählt. Denn kein vernünftiger Mensch in seinen Grundfesten glaubt auf diesem Planeten, dass diese Menschen die bessere Wahl für eine bessere Welt sind.
Das katastrophale Ergebnis
Diese Protagonisten werden gewählt, nicht weil die Menschen sie für qualifizierter halten, sondern im Gegenteil, weil sie im Innersten komplett verzweifelt sind und glauben, der einzige Ausweg sei nur noch die Zerstörung der Sackgasse, um einen Neuanfang für eine bessere Zukunft zu schaffen.
Quellen
Hintergrundinformationen zu den genannten Themen.
- Rechtsruck: https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsruck
- Soziale Ungleichheit: https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Ungleichheit
- Europawahl: https://de.wikipedia.org/wiki/Europawahl