Ich hatte über Jahre hinweg immer wieder leichte Kopfschmerzen. Ich wollte nicht jedes Mal eine Kopfschmerztablette einnehmen. Also entschloss ich mich, das Problem mit Visualisierung und Atemtechnik anzugehen. Das funktioniert auch bei Migräne mit großem Erfolg.
Ich schreibe im Folgenden von Kopfschmerzen. Die Migräne ist immer mitgemeint.
So funktioniert die Übung
Der wichtigste Moment ist der, in dem du merkst, dass die Kopfschmerzen anfangen. Je früher du beginnst, desto besser.
Setz dich locker hin oder leg dich am besten hin. Versuch zu entspannen. Augen zu und ruhig atmen, als würdest du einschlafen wollen.
Der nächste Schritt ist, den Kopfschmerz genauer zu lokalisieren. Gib ihm eine Form, damit du ihn gedanklich begreifen kannst. Es kann eine Fläche sein. Eine Kugel. Ein zackiger Blob. Ein Reif. Ein Stein. Ein Halbmond. Der ganze Kopf. Mehrere pochende heiße Kugeln hinter den Augen.
Such nach einem Begriff, den du theoretisch physisch anfassen kannst. Denn wenn du ihn greifen kannst, kannst du ihn auch anfassen und entfernen. Rausziehen, rausdrücken, rausspülen, wegpusten. Welche Handlung für dich und die Form am besten passt.
Wichtig ist, dass du dir das Folgende sehr visuell und bildhaft vorstellst. Es ist ein wenig wie ein Traum. Es muss nicht alles physikalisch Sinn ergeben. Wichtig ist, dass es sich gut anfühlt.
Den Schmerz wegspülen - ein Beispiel
Wenn du entspannt bist, ruhig atmest und die Form gefunden hast, stellst du dir den Raum um diesen Schmerz vor. Bleib weiter entspannt und atme ruhig weiter.
Das Schmerzobjekt umgibst du mit einer weichen Wanne, in die langsam warmes und sehr weiches Wasser eingelassen wird. Das Wasser enthält zusätzlich eine beruhigende Substanz aus Kräutern, die du mit deinem Geruchssinn ein ganz klein wenig wahrnimmst. Aber so wenig, dass du es gar nicht bemerkst, wenn du dich nicht darauf konzentrierst.
Das Wasser strömt langsam und wohltuend in diese Wanne. Mit jedem Wassertropfen löst es das Schmerzobjekt mehr und mehr von den Kontakten ab, die die Signale an deinen Körper weitergeben. Es löst sich so wie Schmutz von einem Topf, der mit warmem weichem Wasser und etwas Spüli eingeweicht wird. Fast von ganz alleine.
Mit jeder Sekunde löst sich das Objekt mehr. Teile des Objektes lösen sich ab und werden mit dem langsamen warmen Strom Stück für Stück aus dem Kopf transportiert. Sie fallen von der Stirn ab. Vom Hinterkopf. Tropfen von den Ohrläppchen auf den Boden.
Wenn sich das Objekt dann komplett löst, kann es wie mit einem weichen Fischernetz aus heilenden Kräutern langsam aus dem Kopf gezogen werden. Vielleicht klappt das schon beim ersten Versuch. Vielleicht braucht es auch mehrere Versuche mit dem Netz, bevor der größte Teil des Schmerzes herausgezogen ist.
Was du erwarten kannst
Je nach Kopfschmerz oder Migräne geht das mehr oder minder gut. Beim ersten Mal kann der Effekt etwas minimal ausfallen. Aber bei allen Leuten, die ich kenne und die das probiert haben, war mindestens ein kleiner Effekt da. Über die Zeit, bei jedem neuen Kopfschmerz oder Migräne, wurde dieser Effekt größer.
Der Vorteil dieser Herangehensweise ist, dass es eine weitere Alternative zur Tablette oder zum puren Aushalten ist. Und zusätzlich gibt es einen Trainingseffekt. Mit jedem weiteren Mal klappt diese Technik besser und kann fast schon reflexartig, also mit weniger Anstrengung, eingesetzt werden.
Das kann unter Umständen soweit gehen, dass der Körper das irgendwann automatisch macht.
Ich weiß, Kopfschmerzen und Migräne sind zwei komplett unterschiedliche Schmerzlevel. Aber jedes Level hat seinen Nullpunkt, egal wie hoch die Skala ist.
Bei mir sind die Kopfschmerzen komplett verschwunden. Bei einigen Leuten, die Migräne hatten, ist eine sogenannte Aura zurückgeblieben. Eine Aura bei Migräne ist eine dynamische, meist visuelle oder andere sensorische Wahrnehmungsstörung. Eventuell bekommt man selbst diese mit einem ähnlichen Training dauerhaft weg.
Fazit
Nimm jeden Kopfschmerz und jede Migräne als Chance, das Training durchzuführen und deinen Körper zur Abwehr gegen diesen Schmerz zu stärken.
Ich hoffe, diese einfache und kostenlose Übung hilft dir so wie sie mir und anderen Leuten geholfen hat. Wenn ja, dann teile diese Übung mit Menschen, die ebenfalls ihre Schmerzen loswerden wollen. Das Beste ist, dass diese Übung überall gemacht werden kann. Das Einzige, was du brauchst, ist geschlossene Augen und einen ruhigen Atem. Das geht auch in Bus und Bahn.
PS: Und nein, auch wenn der Blog-Artikel am 01.04.2025 neu publiziert wurde, ist das kein Aprilscherz.
Originalartikel aus meinem alten Blog vom 21.10.2009 - überarbeitet.
Quellen
Die Übung ist kostenlos und benötigt keine Hilfsmittel.
- Aura bei Migräne: https://de.wikipedia.org/wiki/Aura_(Migräne)
- Informationen zu Migräne: https://www.migraene-klinik.de/