Die Ausgangslage
Die Menüs und Dialoge sollen auf Englisch erscheinen, die Tastatur soll deutsch bleiben. QWERTZ, Umlaute, das gewohnte Layout. Klingt einfach, ist in KDE Plasma aber nicht ganz trivial, weil Sprache und Tastaturbelegung zwei völlig getrennte Bereiche sind. Unter Wayland kommt noch eine Besonderheit dazu, denn hier verwaltet der Compositor KWin die Tastatur direkt. Ich habe mich durch die Einstellungen und die Kommandozeile gearbeitet und zeige, was wirklich funktioniert.
Sprache und Tastatur sind getrennt
In KDE Plasma findet sich die Sprache der Oberfläche unter Regionaleinstellungen oder in neueren Versionen unter Region & Sprache. Das Tastaturlayout hingegen wird unter Hardware > Eingabegeräte > Tastatur > Layouts eingestellt .
Das ist erstmal gut, denn theoretisch lässt sich so die Sprache auf Englisch stellen, ohne das Tastaturlayout anzufassen. In der Praxis reicht die Einstellung in der grafischen Oberfläche aber manchmal nicht aus. Die Locale-Variablen, die tief im System sitzen, überschreiben dann die Auswahl aus den Systemeinstellungen .
Wayland
Unter Wayland ist KWin der entscheidende Compositor. Das bedeutet, die Tastatur wird nicht mehr zentral vom X-Server verwaltet, sondern direkt von KWin. Der Befehl localectl set-x11-keymap heißt zwar weiterhin so, wirkt aber unter Wayland nicht mehr zuverlässig auf die Sitzung. Der Name ist historisch, und der Befehl setzt primär die Keymap für XWayland und die virtuelle Konsole .
Für die Sprache funktioniert localectl weiterhin:
localectl set-locale LANG=en_US.UTF-8
Für das Tastaturlayout ist unter Wayland der zuverlässigste Weg die KDE-Systemeinstellungen. Dort wird unter Hardware > Eingabegeräte > Tastatur > Layouts sichergestellt, dass nur Deutsch aktiviert ist. KWin übernimmt das Layout dann für die Sitzung.
Ein bekannter Stolperstein: Manchmal vergisst KWin das Layout beim Neustart. Als Workaround kann die Datei ~/.config/kxkbrc mit chattr +i schreibgeschützt werden, nachdem das Layout korrekt gesetzt wurde .
X11 der alte Weg
In einer X11-Sitzung sieht die Sache anders aus. Hier ist der X-Server die zentrale Instanz, und localectl wirkt direkt auf die Sitzung.
localectl set-x11-keymap de
Dieser Befehl setzt das Tastaturlayout für X11. Die Sprache wird genauso wie unter Wayland mit localectl set-locale eingestellt. Nach einem Neustart oder erneuten Anmelden sollten die Menüs auf Englisch erscheinen, während die Tastatur deutsch bleibt.
Der Unterschied ist also: Unter X11 wird das Layout über localectl set-x11-keymap gesteuert, unter Wayland über die KDE-Systemeinstellungen, weil KWin die Kontrolle hat.
Die Generic 105-key (Intl) PC Tastatur
In den Systemeinstellungen wird sie meist als Generic 105-key (Intl) PC oder auf Deutsch als Generischer 105-Tasten-PC (Intl) angezeigt . Das Kürzel pc105 ist der technische Name im XKB-System, der oft in Konfigurationsdateien oder Kommandos wie setxkbmap -model pc105 verwendet wird
Die 105-Tasten-Tastatur ist das Standardlayout für deutsche und die meisten europäischen Tastaturen. Sie basiert auf dem ISO-Standard, im Gegensatz zum 104-Tasten-Layout, das dem US-amerikanischen ANSI-Standard entspricht.
Der entscheidende Unterschied zum 104-Tasten-Layout
Der Unterschied liegt in genau einer zusätzlichen Taste, die durch die kürzere linke Shift-Taste entsteht. Beim ISO-Layout ist die linke Shift-Taste kürzer als beim ANSI-Layout, wodurch rechts neben ihr Platz für eine weitere Taste entsteht. Diese zusätzliche 105. Taste sitzt also rechts neben der linken Shift-Taste und links neben dem Y.
In Deutschland ist diese Taste mit <, >, und | belegt. Der senkrechte Strich wird über AltGr + < erreicht.
Beim 104-Tasten-Layout (ANSI) fehlt diese Taste. Stattdessen hat das ANSI-Layout eine breitere, horizontale Enter-Taste und eine längere linke Shift-Taste. Die 104. Taste ist dort die Backslash-Taste über der Enter-Taste.
Tastaturlayout - dead acute ist eine gute Wahl
Jetzt zum Tastaturlayout selbst. Die Standardbelegung reicht für die meisten Fälle aus. Wenn aber häufiger Akzente wie é, à oder ó getippt werden, lohnt sich ein Blick auf die Varianten.
Dead acute bedeutet, dass nur die Akut-Taste eine Tottaste ist. Sie wird zuerst gedrückt, dann der Vokal, und das Zeichen wird zusammengesetzt. Der Vorteil: Der Backtick (`) und die Tilde (~) bleiben normale Zeichen . Das ist praktisch beim Programmieren oder in der Konsole, weil der Backtick dort eine wichtige Funktion hat.
Dead grave acute macht zusätzlich den Gravis zur Tottaste. Das ist sinnvoll, wenn beide Akzente oft gebraucht werden, etwa beim Schreiben in mehreren romanischen Sprachen. Für den Alltag ist das aber meistens übertrieben.
Ich selbst nutze dead acute, weil ich den Backtick nicht verlieren will und die Akzente trotzdem schnell tippen kann. Das ist für mich die beste Balance.
Ein Hinweis zu Wayland: Dead Keys funktionieren, aber es gibt bekannte Inkompatibilitäten mit Electron und Chromium basierten Anwendungen wie Chrome oder VS Code. Native Wayland Apps wie Firefox verhalten sich oft korrekt, während Qt und KDE Apps je nach Version von systemd-localed Probleme mit Dead Keys haben können .
Schnell zwischen den Layouts wechseln
Wenn doch mal zwischen Deutsch und Englisch beim Tastaturlayout gewechselt werden soll, kann in den Systemeinstellungen unter Tastatur > Layouts ein Häkchen bei Configure layouts gesetzt und beide hinzugefügt werden. Dort lässt sich auch ein Kurzbefehl festlegen, etwa Ctrl + Alt + K, um schnell umzuschalten .
Für die Sprache der Oberfläche gibt es keinen vergleichbaren Schnellwechsel. Das liegt daran, dass die Sprache über die Locale gesteuert wird und nicht für einen Live-Wechsel gedacht ist. Der praktikabelste Weg bleibt localectl im Terminal.
Quellen
- Download: https://kde.org/plasma-desktop/
- Dokumentation: https://docs.kde.org/