House - Rhythmus Guide

Zeitraum & Stile

ZeitraumStile
1980erChicago House, Deep House, Acid House, Garage House
1990erGhetto House, Speed Garage, Disco House, French House, 2-Step Garage
2000erChicago Juke / Footwork, Electro House, Progressive House, Tech House
2010erBig Room House, Tropical House, Future House, Bass House, Melodic House & Techno, Afro House
2020erMelodic House (weiterhin dominant), Organic House (stark im Aufwind), Afro House (globaler Mainstream), Latin House, UK Bass (als übergreifender Stil)

Hier ist die vollständige Liste aller House-Stile, sortiert nach ihrer Entstehungszeit (aufsteigend von den 1980er bis zu den 2020er Jahren). Doppelte Einträge wurden entfernt.

Chicago House (Ur-Form) (1980er)

  • BPM: 120-128 | Sweet Spot: 124-125
  • Merkmale: Four-on-the-floor, Snare/Clap auf 2 und 4, offene Hi-Hat auf den Offbeats, synkopische Bassline, leichter Swing (50-60%)
  • Instrumente: Roland TR-909, Roland TR-808, geschlossene Hi-Hat (Achtelnoten), Bass-Synthesizer, Sampler

Der Ursprung allen House-Geschehens liegt in den frühen 1980er Jahren in Chicago. Hier prägten einige wenige Produzenten und DJs den Sound, der die Welt verändern sollte. Frankie Knuckles, der als “Godfather of House” gilt, lieferte mit Your Love einen der einflussreichsten Tracks überhaupt, während Marshall Jefferson mit Move Your Body eine regelrechte Hymne des Genres schuf - sein Promised Land ist bis heute ein Klassiker der Dancefloor-Spiritualität. Chip E. trug mit Time to Jack und Jack Your Body maßgeblich zur Etablierung des “Jackin’-Grooves” bei, während Steve “Silk” Hurley mit seinem Jack Your Body sogar die britischen Charts eroberte. Joe Smooth schließlich gab mit Promised Land der frühen House-Bewegung eine fast gospelhafte, euphorische Note.

Deep House (1980er)

  • BPM: 110-125 | Sweet Spot: 118-122
  • Merkmale: Weniger perkussiv, entspannter Groove, jazzige Harmonien, atmosphärisch, oft live-artiges Feeling, Fokus auf Stimmung und Melodie
  • Instrumente: Rhodes/E-Piano, weiche Pads, atmosphärische Flächen, komplexe Basslines (oft elektrischer Bass oder tiefe Synth-Bässe), Jazz-Akkorde (7er, 9er, 13er), soulige Vocals, gelegentlich live eingespielte Instrumente

Parallel, aber mit deutlich entspannterer und melodischerer Ausrichtung, entstand der Deep House - ebenfalls in Chicago, aber mit starkem Einfluss von Soul, Jazz und Ambient. Larry Heard, der unter dem Namen Mr. Fingers produzierte, schuf mit Can You Feel It einen der warmsten und gefühlvollsten Tracks der gesamten Tanzmusikgeschichte. Kerri Chandler ist bis heute das Gesicht des tiefgründigen, analogen House-Sounds - sein Remix von The Sound Is Yours gilt als Meisterwerk der Klangarchitektur. Moodymann aus Detroit brachte mit Don’t You Want My Love eine verruchte, rohe Ästhetik in den Deep House, während der Berliner Paul Kalkbrenner mit Aaron den europäischen, melancholischen Deep House populär machte. Der britische Produzent George FitzGerald rundet den Stil mit seinem introspektiven Track Full Circle zeitgemäß ab.

Acid House (1980er)

  • BPM: 115-130 | Sweet Spot: 125-127
  • Merkmale: Repetitive Patterns, hypnotischer Groove, verzerrte Filter-Effekte, minimalistisch, oft instrumental, roher Underground-Charakter
  • Instrumente: Roland TB-303 Bass-Synthesizer (squelchy, modulierter Acid-Sound), Drumcomputer (Roland TR-808/909), einfache Synthesizer, Sampler

Als die berühmte Roland TB-303 Bass-Synthesizer in falsche Hände geriet und ihre verzerrten, modulierten Klänge freisetzte, war Acid House geboren - ebenfalls Mitte der 1980er in Chicago. Die Urväter des Acid sind Phuture mit ihrem legendären Acid Trax, das als Geburtsstunde des Genres gilt. A Guy Called Gerald brachte den Acid-Sound nach Großbritannien und schuf mit Voodoo Ray einen der hypnotischsten Tracks der Ära. Armando lieferte mit Land Of Confusion einen weiteren frühen Klassiker des aggressiven, treibenden Acid-Sounds. Josh Wink feierte in den 1990ern mit Higher State Of Consciousness einen weltweiten Acid-House-Hit, der bis heute auf Festivals läuft. Und auch Daft Punk bedienten sich in ihren frühen Jahren deutlich am Acid-House-Sound - ihr Da Funk ist ein Paradebeispiel für diesen rohen, bassbetonten Groove.

Garage House (US Garage) (1980er)

  • BPM: 120-130 | Sweet Spot: 122-126
  • Merkmale: Starker Fokus auf Vocals, gospelartige Chor-Arrangements, Disco-Einflüsse, weicherer Groove, ausgedehnte Breakdowns, emotionale Dramaturgie
  • Instrumente: Piano, Soul- und Gospel-Vocals, Chöre, hallige Snares, sampled Disco-Elemente, Synthesizer-Streicher, Bassgitarre

An der Ostküste der USA, insbesondere im legendären Paradise Garage Club in New York, entwickelte sich zeitgleich der Garage House. Hier standen soulige Vocals, Gospel-Chöre und Disco-Einflüsse im Vordergrund. Todd Terry war mit seinem Remix von Missing (Everything But The Girl) einer der kommerziell erfolgreichsten Vertreter, während Roy Davis Jr. mit Gabriel (Live Garage Version) einen der emotionalsten und am meisten gesampelten Garage-Tracks schuf. Das Produzentenduo Masters At Work (Little Louie Vega & Kenny Dope) prägte mit The Nervous Track den New Yorker Club-Sound über Jahre. David Morales lieferte mit Here I Am einen weiteren hymnischen Garage-Klassiker, und Todd Edwards, der oft als Vater des “UK Garage”-Sounds genannt wird, zeigte bereits in den 90ern mit Wishing I Were Home, wie stark Garage und späterer 2-Step miteinander verwoben sind.

Progressive House (1990er)

  • BPM: 120-128 | Sweet Spot: 124-126
  • Merkmale: Epische Aufbauten, melodische Phasen, trance-artige Einflüsse, emotionale Breakdowns, lange, sich entwickelnde Arrangements, starke Betonung von Atmosphäre
  • Instrumente: Synthesizer (häufig SuperSaw-Pads), pianolastige Akkorde, weiche Kicks, ausgedehnte Filter-Effekte, gesampelte Vocals

Das Progressive House entstand bereits in den 1990er Jahren in Großbritannien. Es ist bekannt für seine strukturierten, sich langsam aufbauenden Arrangements, die den Hörer auf eine musikalische Reise mitnehmen. Der Stil legt großen Wert auf Melodie, Harmonien und atmosphärische Dichte, oft mit Einflüssen aus dem Trance. In den 2000er Jahren erlebte Progressive House einen enormen Mainstream-Aufschwung. Die frühe progressive Ära in Großbritannien wurde stark von Künstlern wie Sasha und John Digweed geprägt. In den 2010ern wurden Produzenten wie Eric Prydz (Opus) und deadmau5 (Strobe) zum Synonym für diesen Stil, während der “Festival-Progressive”-Sound von Künstlern wie Swedish House Mafia (Don’t You Worry Child) und Alesso (Heroes) dominiert wurde.

Tech House (1990er)

  • BPM: 122-130 | Sweet Spot: 126
  • Merkmale: Minimalistisch, groovig, hypnotische Repetition, Verschmelzung von House und Techno, reduzierter Fokus auf Melodie, starker Fokus auf Rhythmus und Percussion, “dubby”-Elemente
  • Instrumente: Roland TR-808/909, tiefe Sub-Basslines, schnelle Hi-Hats, Sidechain-Kompression, Synthesizer, Sampler

Das Tech House entstand in den 1990er Jahren in Großbritannien als Fusion von House und Techno. Es verbindet den vier-auf-dem-Fuß-Groove des House mit den reduzierten, hypnotischen Klangflächen des Techno. Der Stil ist weniger melodiös als Progressive oder Deep House und konzentriert sich stattdessen auf komplexe Rhythmusstrukturen, groovige Basslines und perkussive Elemente. Der Sweet Spot für Tech House liegt bei 126 BPM, was eine ideale Tanzgeschwindigkeit darstellt. In den 2010er Jahren gewann das Tech House massiv an Popularität und entwickelte sich zu einem der dominierenden Genres im House-Bereich. Klassische Vertreter sind DJ Sneak, Terry Lee Brown Junior und Gene Farris, während moderne Größen wie Solardo (XTC), Fisher (Losing It) und Jamie Jones diesen Sound in die Gegenwart tragen.

Ghetto House / Booty House (1990er)

  • BPM: 125-135 | Sweet Spot: 130-132
  • Merkmale: Minimalistisch, roh, repetitiv, provokative und oft sexuell explizite Lyrics, Fokus auf Bassdrum und Clap, Underground-Ästhetik
  • Instrumente: Roland TR-808, einfache Drum-Machine-Beats, gesampelte Vocals, einfache Bass-Synthesizer, gelegentlich Pitch-Shift-Effekte auf Stimmen

In den frühen 1990er Jahren entwickelte sich in Chicago eine minimalistischere, härtere und lyrisch oft explizite Spielart: der Ghetto House, auch Booty House genannt. Hier waren die Produzenten DJ Deeon, DJ Funk und Paul Johnson die prägenden Figuren, deren Tracks oft mit simplen Drum-Maschinen und provokativen, gesampelten Vocals arbeiteten. Auch Traxman und RP Boo - letzterer später bekannt für den Chicago Juke - waren in dieser Szene aktiv. Leider sind die konkreten Track-Titel dieser frühen Ghetto-House-Ära in den verfügbaren Quellen nur lückenhaft dokumentiert, aber ihr Einfluss auf nachfolgende Stile wie Juke und Footwork ist unbestreitbar.

Speed Garage (UK) (1990er)

  • BPM: 130-140 | Sweet Spot: 135-137
  • Merkmale: Schnell, treibend, basslastig, energiereich, Verschmelzung von US-Garage mit Jungle/Drum&Bass-Elementen, hallige Snares, Breakdowns mit Vocal-Hooks
  • Instrumente: Gesampelte Soul- und R&B-Vocals (oft weiblich), schnelle Hi-Hats, komplexe Percussion, tiefe Sub-Basslines, Synthesizer, Drumcomputer

Mitte der 1990er Jahre nahm der US-Garage-Sound in Großbritannien Fahrt auf und verschmolz mit den schnelleren Tempi des Jungle und Drum&Bass - der Speed Garage war geboren. Double 99 lieferten mit RipGroove den wohl bekanntesten Track dieses Stils - ein basslastiges, treibendes Monster, das die Clubs sprengte. Dem 2 folgten mit Destiny und setzten den melodischen, aber dennoch schnellen Sound fort. Bump ‘N’ Flex, hinter dem Produzent Kelly G. steckt, schuf mit Never Gonna Let You Go (Kelly G Bump-N-Go Mix) einen weiteren Speed-Garage-Klassiker mit souligem Vocalsample. Armand Van Helden veröffentlichte mit The Funk Phenomena einen internationalen Hit, der stilistisch zwischen Speed Garage und House pendelte, und auch Roy Davis Jr. war mit seinem zeitlosen Gabriel in dieser schnelleren UK-Variante präsent.

Disco House (1990er)

  • BPM: 110-130 | Sweet Spot: 120-125
  • Merkmale: Starke Disco-Einflüsse, euphorischer und tanzbarer Groove, Wiederbelebung von 70er-Jahre-Disco-Ästhetik, eingängige Hooklines, Wiederholung von Disco-Riffs, oft gesampelte Streicher- und Bläsersätze
  • Instrumente: Disco-Samples, vier-auf-dem-Fuß-Bassdrum, funky Basslines, Streicher-Synthesizer, Bläser-Samples, Rhythmusgitarre, E-Piano, Vocoder

Der Disco House ist im Wesentlichen die logische Weiterentwicklung der Disco-Musik der 1970er Jahre in die House-Ära. Der Stil zeichnet sich durch einen ausgelassenen, fröhlichen Groove aus, der direkt auf die Tanzfläche zielt. Er bedient sich großzügig an den charakteristischen Elementen der klassischen Disco - darunter die prägnanten Streicher- und Bläsersätze, die funky Basslines und die eingängigen, oft gesampelten Vocal-Hooks. Dieser Stil stellt die direkte Verbindung zwischen den Discotheken der 70er und den Clubs der 90er und 2000er Jahre her und ist damit einer der zugänglichsten und partytauglichsten Ableger des House. Zu den prägendsten Künstlern zählen Stardust (das legendäre Projekt von Thomas Bangalter, Alan Braxe und Benjamin Diamond) mit dem zeitlosen Hit Music Sounds Better With You, Modjo mit der Disco-Hymne Lady (Hear Me Tonight) sowie Bob Sinclar, der mit Love Generation und World, Hold On den euphorischen Disco-House-Sound der 2000er prägte.

French House / French Touch / Filter House (1990er)

  • BPM: 110-130 | Sweet Spot: 124-128
  • Merkmale: Starker Einsatz von Filter- und Phaser-Effekten (Low-Pass-Filter), starke Sample-basierte Produktion, Wiederbelebung von Disco- und Funk-Samples, repetitiver, oft minimalistischer Aufbau, Sidechain-Kompression für den charakteristischen “pumpenden” Sound, wohlfühlende, euphorische Atmosphäre
  • Instrumente: Sampler, Roland TB-303 (seltener), Synthesizer, Drumcomputer, Vocoder, gesampelte Disco- und Funk-Elemente (oft auf einzelne Takte oder Phrasen reduziert)

Der French House - auch bekannt als French Touch, Filter House oder Tekfunk - entstand in den frühen bis mittleren 1990er Jahren in Frankreich. Er ist stark von der europäischen Disco der 1970er Jahre, der Space Disco und dem P-Funk beeinflusst. Das prägendste Merkmal ist der exzessive Einsatz von Filtern (insbesondere Low-Pass-Filtern) und Phasern, die den Samples einen weichen, “schwammigen” Klang verleihen. Zudem wird häufig die Sidechain-Kompression verwendet, um den charakteristischen “pumpenden” Groove zu erzeugen, bei dem andere Elemente der Bassdrum rhythmisch Platz machen. Der repetitive Charakter, oft reduziert auf wenige Takte eines Disco-Samples, und die Kombination mit vier-auf-dem-Fuß-Beats machen den unverwechselbaren Sound aus. Die absolute Ikone des French House sind Daft Punk mit ihrem wegweisenden Album Homework sowie den Klassikern One More Time und Around the World. Cassius prägten den Sound mit Cassius 1999 und Feeling For You, während Étienne de Crécy mit Prix Choc und Super Disco Maßstäbe setzte. The Supermen Lovers lieferten mit Starlight einen weiteren Meilenstein des Genres, und auch Air (mit Sexy Boy) sowie Justice (mit D.A.N.C.E.) sind stilistisch eng mit der French-Touch-Bewegung verbunden.

2-Step Garage (UK) (1990er)

  • BPM: 130-135 | Sweet Spot: 132-134
  • Merkmale: Stark synkopiert, Bassdrum auf den Offbeats (nicht auf 1 und 3), gebrochene Rhythmen, minimalistische Arrangements, pitch-shift-Effekte auf Vocals, enge Verknüpfung mit R&B
  • Instrumente: Gesampelte R&B- und Soul-Vocals, schnelle Hi-Hats, tiefe Sub-Basslines, Drumcomputer, Synthesizer, gelegentlich live-Instrumente wie Klavier

Gegen Ende der 1990er Jahre entwickelte sich aus dem Speed Garage der 2-Step Garage, der rhythmisch noch komplexer wurde - die Bassdrum wurde nun oft auf die Offbeats gelegt, und die Grooves wurden stark synkopiert. MJ Cole wurde mit Crazy Love zum Aushängeschild dieses melodischen, aber perkussiv anspruchsvollen Stils. Das Duo Artful Dodger feierte mit Re-Rewind (feat. Craig David) einen der größten UK-Garage-Hits aller Zeiten. So Solid Crew brachten mit 21 Seconds eine raue, MC-lastige Energie in den 2-Step und ebneten den Weg für den Grime. Sticky schuf mit Booo! (feat. Ms. Dynamite) einen weiteren Meilenstein des Genres. Und in jüngster Zeit hat Sammy Virji mit Shella Verse (feat. Flowdan) den 2-Step-Sound für eine neue Generation wiederbelebt und zeitgemäß weiterentwickelt.

Chicago Juke / Footwork (2000er)

  • BPM: 150-160 | Sweet Spot: 155-158
  • Merkmale: Extrem schnell, polyrhythmische Grooves, komplexe Rhythmusstrukturen, enge Verbindung zum Footwork-Tanzstil, hypnotisch, energetisch, urbaner Underground-Charakter
  • Instrumente: Roland TR-808, tiefe Sub-Basslines, gesampelte Vocals (oft pitch-shifted), komplexe Snares/Claps, repetitive Loops, Sampler, Drumcomputer

Anfang der 2000er Jahre entstand in Chicago ein extrem schneller, mit 150 bis 160 BPM rasender Ableger des Ghetto House: der Chicago Juke, der eng mit dem akrobatischen Footwork-Tanzstil verbunden ist. Der Produzent RP Boo, der bereits in der Ghetto-House-Szene aktiv war, gilt als einer der Urväter dieses Stils. DJ Rashad und DJ Spinn - beide Mitglieder des legendären Teklife-Kollektivs - prägten den Sound mit ihren komplexen, polyrhythmischen Beats und hypnotischen Samples. Traxman war ebenfalls ein zentraler Kopf dieser Bewegung. Leider sind auch hier die konkreten Track-Titel in den vorliegenden Suchergebnissen nicht ausführlich gelistet, doch die Alben und EPs dieser Künstler wie Double Cup (DJ Rashad) oder Bangin’ On The Table (RP Boo) gelten als Meilensteine des Genres.

Electro House (2000er)

  • BPM: 125-130 | Sweet Spot: 128
  • Merkmale: Harte, verzerrte Synths, aggressive Basslines, typische EDM-Ästhetik, massive Drops, Mainroom-Charakter
  • Instrumente: Synthesizer (häufig Massive, Serum), verzerrte Kickdrums, FM-Synths, Sidechain-Kompression, gesampelte Vocals

Das Electro House entstand in den frühen 2000er Jahren als eine härtere, aggressivere Spielart des House, die stark von Electroclash und Techno beeinflusst war. Es zeichnet sich durch seinen druckvollen, oft verzerrten Sound aus, der speziell für große Festivalbühnen und Mainrooms konzipiert wurde. Charakteristisch sind die markanten, oft funkigen Basslines und die brachialen Drops, die das Publikum zum Ausrasten bringen. Dieser Stil wurde schnell zum Inbegriff des kommerziellen EDM und prägte die 2010er Jahre maßgeblich. Justice (D.A.N.C.E.), Deadmau5 (Ghosts ’n’ Stuff) sowie Wolfgang Gartner (Illmerica) gelten als Wegbereiter dieses Sounds. In den 2010ern wurde er dann von Größen wie Hardwell (Spaceman), Dimitri Vegas & Like Mike (Tremor) und Knife Party (Internet Friends) weitergeführt.

Latin House (2000er)

  • BPM: 120-128 | Sweet Spot: 124-126
  • Merkmale: Einflüsse aus lateinamerikanischer Musik (Salsa, Bachata, Reggaeton), perkussive Rhythmen, spanische Vocals, beschwingte, tanzbare Stimmung
  • Instrumente: Congas, Bongos, Claves, akustische Gitarren, lateinamerikanische Percussion, Synthesizer, gesampelte Vocals in Spanisch

Das Latin House vermischt House-Beats mit den Rhythmen und Instrumenten der lateinamerikanischen Musik. Es hat eine beschwingte, tanzbare und oft sehr perkussive Stimmung. Die BPM bewegen sich meist im klassischen House-Bereich zwischen 120 und 128 BPM. Dieses Genre erlebte mehrere Wellen der Popularität: in den 2000er Jahren mit Künstlern wie Riva Starr, in den 2010er Jahren mit Nicky Jam und J Balvin und zuletzt in den 2020ern mit BADDIES ONLY (La Fiesta) und HUGEL (Morenita).

UK Bass (2000er)

  • BPM: 130-140+ | Sweet Spot: 135
  • Merkmale: Einflüsse aus UK Garage, Dubstep, Grime, Breakbeat, komplexe, synkopierte Rhythmen, starke Basslines, energetisch
  • Instrumente: Dubstep-inspirierte Bässe, Breakbeats, gesampelte Vocals, Synthesizer, Sidechain-Kompression

Der Begriff UK Bass (oder Bass Music) ist ein Sammelbegriff für verschiedene, in Großbritannien entstandene Stile der elektronischen Tanzmusik. Er umfasst Einflüsse aus UK Garage, Dubstep, Grime, Breakbeat und anderen Genres. Die Musik zeichnet sich durch ihre komplexen, synkopierten Rhythmen und starken Basslines aus. Der BPM-Bereich ist weit gefasst und reicht von 130 bis über 140 BPM. In den 2020er Jahren erlebt der UK Bass eine Renaissance mit neuen Acts wie Overmono (So U Kno) und Bicep (Glue), die den Sound für eine neue Generation neu interpretieren.

Big Room House (2010er)

  • BPM: 126-132 | Sweet Spot: 128-130
  • Merkmale: Minimalistische Komposition, starke Betonung von Drops, lange, trance-artige Build-ups, einfache, eingängige Melodien (oft SuperSaw), massive, verzerrte Kicks, Stimme als Instrument
  • Instrumente: Verzerrte Kickdrums, SuperSaw-Synthesizer, Sub-Bass, gesampelte Vocals, minimalistische Percussion

Das Big Room House entwickelte sich Anfang der 2010er Jahre als ein Subgenre des Electro House und wurde schnell zum bestimmenden Sound auf den großen EDM-Festivals wie Tomorrowland und Ultra Music Festival. Der Stil zeichnet sich durch seine extreme Simplizität aus: Die Musik besteht aus wenigen, aber sehr wirkungsvollen Elementen. Ein typischer Big-Room-Track hat einen langen, spannungsgeladenen Build-up, der in einen brachialen Drop mündet, der oft nur aus einer massiven Kickdrum, einem tiefen Sub-Bass und einer einfachen, eingängigen Melodie besteht. Die bekanntesten Produzenten sind Dimitri Vegas & Like Mike, W&W, Blasterjaxx, DVBBS, Borgeous und Hardwell.

Tropical House (2010er)

  • BPM: 100-126 | Sweet Spot: 105-122
  • Merkmale: Entspannte, sonnige Atmosphäre, Einflüsse von Reggae, Dancehall und Pop, weiche, melodische Elemente, oft mit akustischen Instrumenten
  • Instrumente: Akustische Gitarren, Marimbas, Flöten, weiche Pads, gesampelte Vocals, entspannte Kickdrums, Steel Drums

Das Tropical House entstand Mitte der 2010er Jahre als ein softer, poppiger Ableger des Deep House. Bekannt wurde es vor allem durch den norwegischen Produzenten Kygo, der mit seinen entspannten, melodischen und von Reggae- und Dancehall-Einflüssen geprägten Tracks einen Welthit landete. Der Stil zeichnet sich durch seine sonnige, beschwingte und urlaubsreife Stimmung aus und verwendet häufig akustische Instrumente wie Gitarren, Marimbas und Flöten anstelle von schweren Synthesizern. Der BPM-Bereich ist relativ breit gefasst und umfasst oft langsamere Tempi zwischen 100 und 126 BPM. Die bekanntesten Vertreter sind Kygo (Firestone), Robin Schulz (Prayer in C) und Felix Jaehn (Cheerleader).

Future House (2010er)

  • BPM: 122-132 | Sweet Spot: 126-128
  • Merkmale: Tiefe Basslines, starke Verwendung von Vocal-Samples, schnelle Hi-Hats, oft mit einem “House”-Shuffle, melodische Synthesizer
  • Instrumente: Synthesizer, gesampelte Vocals, tiefe Sub-Basslines, schnelle Hi-Hats, Sidechain-Kompression, Drumcomputer

Das Future House entstand Mitte der 2010er Jahre als ein weiterer Ableger des Deep House und zeichnet sich durch seine tiefen Basslines, die starke Verwendung von Vocal-Samples und seine schnellen Hi-Hat-Patterns aus. Künstler wie Oliver Heldens und Tchami waren die Wegbereiter dieses Stils. Die Musik ist oft energiegeladen, tanzbar und hat einen starken “House”-Shuffle im Groove. Die Synthesizer sind meist melodisch, aber weniger verzerrt als im Electro House. Heute wird der Stil von Künstlern wie Don Diablo (Starlight) und Mike Williams (I Got You) weiterentwickelt.

Bass House (2010er)

  • BPM: 124-132 | Sweet Spot: 128
  • Merkmale: Aggressive, halbzeitige Bassrhythmen, Einflüsse aus Dubstep, starker Fokus auf die Bassdrum, energetische Drops, meist mit Vocal-Samples
  • Instrumente: Dubstep-inspirierte Bässe, tiefe Sub-Basslines, verzerrte Kickdrums, gesampelte Vocals, Sidechain-Kompression

Das Bass House entstand in den 2010er Jahren als Antwort auf den Einfluss des Dubstep auf die House-Produktion. Es kombiniert den vier-auf-dem-Fuß-Rhythmus des House mit den aggressiven, halbzeitigen Bassrhythmen und der Ästhetik des Dubstep. Die Tracks sind meist sehr basslastig, energetisch und auf den Peak-Time-Clubeinsatz ausgelegt. Der Median für Bass House liegt bei 128 BPM, wobei ein Trend zu leicht steigenden Tempi in den letzten Jahren zu beobachten ist. Die bekanntesten Produzenten sind AC Slater, Joyryde und Habstrakt.

Melodic House & Techno (2010er)

  • BPM: 120-125 | Sweet Spot: 122-123
  • Merkmale: Starke Melodie, emotionale, atmosphärische Klangflächen, sanfte Kicks, oft mit trance-artigen und progressiven Elementen, Club-orientiert
  • Instrumente: Synthesizer, atmosphärische Pads, sanfte Kicks, emotionale Vocals, Sidechain-Kompression, Sampler

Das Melodic House & Techno ist eines der dominierenden Genres der 2010er und 2020er Jahre und wurde 2018 offiziell von Beatport als eigenes Genre anerkannt. Es verbindet die treibenden Rhythmen des House mit den melodischen und atmosphärischen Elementen des Techno und Progressive House. Der Fokus liegt stark auf Melodien, Harmonien und der Schaffung einer emotionalen, oft euphorischen Stimmung. Charakteristisch sind sanfte Kicks, atmosphärische Pads und melodische Synthesizer. Der BPM-Bereich liegt meist zwischen 120 und 125 BPM. Die prägendsten Künstler sind Tale Of Us, deren Label Afterlife das Genre maßgeblich definierte, sowie Anyma (Consciousness) und Kevin de Vries (Dance With Me).

Afro House (2010er)

  • BPM: 118-124 | Sweet Spot: 120-122
  • Merkmale: Einflüsse aus afrikanischer Percussion und Gesang, hypnotische, repetitive Grooves, warme, organische Klänge, oft mit einem spirituellen oder ritualhaften Feeling
  • Instrumente: Afro-Percussion (Djembe, Congas, Talking Drums), tiefe Sub-Basslines, gesampelte Vocals (oft in afrikanischen Sprachen), Synthesizer, Sampler

Das Afro House ist ein Genre, das House-Rhythmen mit afrikanischer Percussion, Gesang und Instrumentierung verbindet. Der Stil zeichnet sich durch seinen hypnotischen, repetitiven Groove aus und hat in den 2010er und 2020er Jahren einen massiven globalen Aufschwung erlebt. Die Tracks sind meist warm, organisch und haben eine tiefe, spirituelle Atmosphäre. Der BPM-Bereich liegt typischerweise zwischen 118 und 124 BPM. Die bekanntesten Produzenten sind Black Coffee (We Dance Again), Da Capo (Indlela) und &ME (Rapture), deren Einfluss das Genre weltweit bekannt gemacht hat.

Organic House (2020er)

  • BPM: 115-122 | Sweet Spot: 118-120
  • Merkmale: Weltmusik-Einflüsse, Einsatz von Live-Instrumenten, organische, erdige Klänge, weniger synthetisch, entspanntes, tiefes Groove-Feeling
  • Instrumente: Akustische Gitarren, Flöten, Percussion, Piano, echte Bassinstrumente, selten verzerrte Synthesizer

Organic House ist ein noch recht junges Genre, das in den 2020er Jahren stark an Popularität gewonnen hat. Es zeichnet sich durch die Verwendung von akustischen und “organischen” Instrumenten aus, die den elektronischen Produktionen eine natürliche und warme Note verleihen. Der Stil ist oft weniger synthetisch und künstlich als andere House-Genres und hat einen entspannten, tiefen Groove. Der BPM-Bereich ist mit 115-122 BPM relativ langsam. Bedeutende Künstler sind Fluida, Arkady Antsyrev (Mila) und der deutsche Produzent Christian Löffler.

Die berühmtesten Produzenten/DJs/Artists

Eine Liste der 22 bekanntesten House-Producer, DJs und Artists seit den 1980ern.

  1. Frankie Knuckles - “Godfather of House”, Wegbereiter in Chicago, definierte den Sound der 1980er und 1990er. - Höhepunkt: Mitte der 1980er bis Mitte der 1990er (u.a. Your Love, Remixe für Whitney Houston, Michael Jackson). - Your Love

  2. Daft Punk - Französisches Duo, das French House und Filter House weltweit populär machte und den Disco-House-Sound modernisierte. - Höhepunkt: 1997-2007 (Alben Homework, Discovery, Human After All; größter Erfolg One More Time 2000). - One More Time

  3. Marshall Jefferson - Zentrale Figur der Chicagoer Szene, schuf mit “Move Your Body” eine der ersten House-Hymnen. - Höhepunkt: Mitte der 1980er bis frühe 1990er (u.a. Move Your Body, Promised Land als Produzent für Joe Smooth). - Move Your Body

  4. Todd Terry - Brooklyn-Pionier, einer der erfolgreichsten und langlebigsten House-Produzenten, bekannt für seinen Remix von “Missing”. - Höhepunkt: 1990er Jahre (insbesondere 1995 mit Missing (Todd Terry Remix); danach weiterhin erfolgreich). - Missing (Todd Terry Remix)

  5. Larry Heard (Mr. Fingers) - Pionier des Deep House, seine Musik ist warm, atmosphärisch und von Jazz und Soul durchzogen. - Höhepunkt: Mitte der 1980er bis frühe 1990er (Can You Feel It 1986; Alben wie Amnesia 1989). - Can You Feel It

  6. Louie Vega (Masters At Work) - Prägte den New Yorker Garage- und Latin-House-Sound als eine Hälfte von Masters At Work. - Höhepunkt: 1990er bis frühe 2000er (u.a. The Nervous Track, Remixe für zahlreiche Pop- und R&B-Künstler). - The Nervous Track

  7. Armand Van Helden - Produzent, der House mit Hip-Hop, Breakbeat und anderen Genres verband, bekannt für unkonventionelle Tracks. - Höhepunkt: Späte 1990er bis frühe 2000er (The Funk Phenomena 1996, I Want Your Soul 2007). - I Want Your Soul

  8. Jeff Mills - US-amerikanischer Techno-Produzent und DJ, einer der wichtigsten Pioniere der Detroit-Szene, bekannt für seine hypnotischen DJ-Sets und die Nutzung der TR-909. - Höhepunkt: 1990er Jahre (insbesondere The Bells 1995; prägte den Sound des Detroit Techno). - The Bells

  9. Kings of Tomorrow (Sandy Rivera) - New Yorker Produzent, schuf mit “Finally” eine der größten Vocal-House-Hymnen aller Zeiten. - Höhepunkt: 1999-2003 (u.a. Finally, das weltweit in den Charts war). - Finally

  10. CamelPhat - Britisches Duo, einer der größten Acts des modernen House und Tech House, Grammy-nominiert. - Höhepunkt: 2017-heute (u.a. Cola mit Elderbrook, Grammy-Nominierung). - Cola (mit Elderbrook)

  11. Booka Shade - Deutsches Duo, bekannt für melodischen und tiefgründigen Tech-House, maßgeblich an der Entwicklung des “Melodic House & Techno” beteiligt. - Höhepunkt: 2005-2015 (u.a. Body Language, Alben wie Movements). - Body Language

  12. Terry Lee Brown Junior - Deutscher Produzent und DJ, einer der Väter des Tech-House, sein Debütalbum Brother For Real (1996) wurde zum Album des Jahres gewählt. - Höhepunkt: 1990er bis frühe 2000er (u.a. Brother For Real, Tribal Nova, Bad House Music). - Tribal Nova

  13. Tony De Vit - Britischer Hard-House- und Techno-DJ, prägte die Szene der 1990er Jahre maßgeblich. - Höhepunkt: 1990er Jahre (insbesondere bis zu seinem frühen Tod 1998; u.a. The Dawn). - The Dawn

  14. Hernan Cattaneo - Argentinischer Progressive-House-DJ und Produzent, bekannt für lange, atmosphärische DJ-Sets und Prägung der südamerikanischen Szene. - Höhepunkt: 2000er Jahre bis heute (u.a. seine DJ-Mixe und sein Label Sudbeat). - (Bekannt für DJ-Mixe, Label Sudbeat)

  15. DJ Sneak - Vertreter der Chicagoer Schule, bekannt für seinen rohen, funkigen und unverwechselbaren House-Sound (“House Gangster”). - Höhepunkt: 1990er bis frühe 2000er (u.a. zahlreiche Tracks auf seinem Label). - (Bekannt für Label-Veröffentlichungen)

  16. Riva Starr - Italienischer Produzent und Labelbesitzer (Snatch! Records), verbindet House und Tech House mit funkigen und groovigen Elementen. - Höhepunkt: 2010er Jahre bis heute (u.a. Kooperationen mit vielen bekannten Künstlern). - (Bekannt für zahlreiche Tracks, oft Kooperationen)

  17. Gene Farris - Chicagoer DJ und Produzent, feste Größe im House und Tech House, hoch geschätzt von Kollegen. - Höhepunkt: 2000er bis heute (u.a. Blackout, sein Lieblings-Track von Lil Louis). - Blackout (Lil Louis)

  18. David Penn - Moderner Größe des House, bekannt für soulige Produktionen, Remixe und seine Plattenfirma Urbana Recordings. - Höhepunkt: 2010er bis heute (u.a. Satisfied). - Satisfied

  19. Roland Clark - DJ, Produzent und Vocalist aus Newark, dessen markante Stimme auf unzähligen House-Tracks zu hören ist. - Höhepunkt: 1990er bis heute (u.a. I Get Deep). - I Get Deep

  20. Stacey “Hotwaxx” Hale - “Godmother of House Music” in Detroit, erste Frau, die House-Musik im Radio spielte, wichtige Mentorin und Botschafterin des Genres. - Höhepunkt: 1980er bis heute (bekannt für ihre Radioarbeit und ihren Einfluss, weniger für einzelne Tracks). - (Bekannt für Radioarbeit und Einfluss)

  21. DJ Irene - Pionierin der LA-House-Szene und eine der erfolgreichsten weiblichen DJs der USA, bekannt für energiegeladene, pitched-up Sets. - Höhepunkt: 1990er bis frühe 2000er (u.a. Mixalben wie Global Housediva 2: Live in Ibiza). - (Bekannt für Mixalben und Live-Sets)

  22. Sarah Main - Australische DJ und Produzentin, erste Frau mit langjähriger Residency im Pacha Club auf Ibiza, Pionierin in der männerdominierten Szene. - Höhepunkt: 2010er bis heute (bekannt für ihre Residency und Radio-Show). - (Bekannt für Residency und Radio-Show)